Platon und die Grundlagen abendländischer Philosophie
Platon ist der bedeutendste und stärkste Philosoph des Abendlandes: „Alle abendländische Philosophie ist als Fußnote zu Platon zu verstehen“ (Whitehead), so ein sehr bekanntes Urteil über unsere europäische Denktradition. Es kann gesagt werden, dass von Platon alle Gedanken stammen, die noch heute geschrieben und besprochen werden. Er ist Quelle, Vorbild und Archetyp aller authentischen Philosophie, er ist der Philosoph schlechthin – alle wichtigen philosophischen Begriffe gehen auf ihn zurück. Sein Denken wirkt wie ein selten sichtbarer und meist unsichtbarer Geistesstrom bis in unsere Gegenwart hinein.
Und doch wurde Platon vergessen, verdrängt und sogar geschmäht. Seien es seine Seelenlehre, sein Verständnis des Eros oder seine Tugendlehre, seine Ideenlehre und Metaphysik, sein Verständnis des Mythos, seine Eschatologie, sein Konzept eines Idealstaates oder seine Kosmologie – es gilt Platons Philosophie wieder zu bergen. Platon hat uns auch heute einiges zu sagen. Lebte Platon nicht auch in einer Krisenzeit, die der unsrigen vergleichbar wäre? Es soll in diesem Kurs somit insbesondere um eine Rückkehr zu den Ursprüngen der politischen Philosophie, die eben bei Platon und somit auch bei seinem Lehrer Sokrates und seinem Schüler Aristoteles gefunden werden können, gewagt werden.
Platons Philosophie ist eben immer auch politisch und als Ordnungsdenken richtig zu verstehen. Im akademischen Mainstream wird er oft als vormoderner Denker als irrelevant abgetan und völlig verzerrt dargestellt oder vorurteilsbeladen sowie verfälscht als „Feind der offenen Gesellschaft“ (Popper) dargestellt und verunglimpft. Eine Auseinandersetzung Platons mit allen wichtigen und die Gegenwart prägenden Denkern kann damit nicht ausbleiben. Dabei bietet Platon alle Argumente um falsches Denken in dessen Prämissen besser zu verstehen und auszuhebeln, wie er in seiner Auseinandersetzung mit den Sophisten veranschaulichte. Insbesondere geht es Platon um die Gerechtigkeit angesichts aller Scheingerechtigkeit – Platon ist der erste Denker des „Rechtsstaates“ (Ernst Cassirer), nämlich eines theologisch begründeten.
Dieser Kurs bietet eine Einführung in das Gesamtwerk Platons und arbeitet seine wichtigsten Topoi heraus. In insgesamt 17 Einheiten soll gemeinsam das Gesamtwerk und die zahlreichen Schätze platonischer Weisheit entdeckt werden – d.h. es soll möglichst dialogisch in einer Lerngemeinschaft die Ideenwelt Platons erschlossen werden. Dafür werden zahlreiche Original-Zitate (in Übersetzung) besprochen werden. Jede Einheit soll maximal 90 Minuten lang sein, zu jeder gibt es ein Thesen- und Arbeitsblatt. Es soll genug Zeit für Fragen und Diskussionen geben.
Und es ist nicht nur Platon, sondern überhaupt eine authentische Philosophie in seiner Tradition und somit Metaphysik, die sich auch nie mit dem Konventionalismus in der Gesellschaft arrangierte. Somit ist für Platon die wahre Philosophie insbesondere immer Widerstand gegen die Korrumpierung der Seele. Bei Platon geht es dabei nicht um ein bloß intellektuelles Wissen, es geht immer um einen existentiellen Aufstieg, einer Bildung zu einem höheren persönlichen Sein, wie nicht zuletzt das berühmte Höhlengleichnis veranschaulicht. Mit diesem Verständnis möchte sich die Veranstaltungsreihe der Erschließung der Philosophie widmen.
Thesenblatt zum Einstieg: Besser leben mit Platon + Video zum Einstieg: Antike Lebenskunst: Sokrates und Platon
1. Einheit: Einführung in die (politische) Philosophie Platons (Dr. Christian Machek) Thesenblatt + Textblatt zu den Koordinaten des platonischen Denkens
2. Einheit : Platons Leben, seine Umwelt und sein Lehrer Sokrates (Dr. Christian Machek) – Thesenblatt
3. Einheit: Das Frühwerk – Die Tugendlehre und die Auseinandersetzung mit dem Sophismus (Dr. Christian Machek) – Thesenblatt
4. Einheit: Platon und seine Bedeutung: Der konservative Revolutionär (Prof. Dr. Harald Seubert) – Thesenblatt + Video
5. Einheit: Wichtige Topoi: – Der Eros, die Seelenlehre und der Mythos bei Platon (Dr. Christian Machek) – Thesenblatt
6. Einheit: Das Hauptwerk Politeia – Ankerpunkt: Die Gerechtigkeit und die „Idee des Guten“ (Dr. Christian Machek) – Thesenblatt + Thesenblatt zur Staatstheorie
7. Einheit: Willkürfreies normatives präpolitisches Wissen – Platon: Die Ideen, Prinzipien und Philosophenherrscher (Prof. Wladika) – Thesenblatt
8. Einheit: Zusammenfassung und ein Blick auf die platonische Tradition (Dr. Christian Machek)
9. Einheit: Platon und der Mythos – Verlinkung zur Seite mit Text
10. Einheit: Padeia & Platons Politische Philosophie: Politikos und Nomoi (Dr. Christian Machek) – Thesenblatt
11. Einheit: Platons Überlieferung und Geheimlehre (Dr. Jan Bentz) – Thesenblatt
12. Einheit: Alkibiades und der Timaios: der wohlgeordnete Kosmos (Dr. Christian Machek) – Thesenblatt
13. Einheit: Platons Schüler Aristoteles (Dr. Christian Machek) – Thesenblatt
14. Einheit: Der Neuplatonismus: Plotin (Dr. Alexander Nitzberg)
15. Einheit: Christentum und Platonismus (Dr. Felix Dirsch) – Thesenblatt
16. Einheit: Platonismus im 20. Jahrhundert: Leo Strauss und Eric Voegelin (Dr. Christian Machek) – Thesenblatt
17. Einheit: Zusammenfassung & Ausblick: Die Philosophenkönige und
ihre bleibende Aktualität (Dr. Christian Machek)
